Der Wolf: Die Geister, die ich rief…

Der Wolf gehört in unsere Kulturlandschaft: Ja!
Der Wolf konnte in Deutschland wider angesiedelt werden: Prima!
Aus „der Wolf“ wird ganz schnell „die Wölfe“: Oops… Plural? Viele?

Genau wie Hunde werfen Wölfe zwei Mal pro Jahr. Ein Wurf besteht aus ein bis elf, in der Regel vier bis sechs Welpen. Die Mortalität ist allerdings hoch (ca. 50%), vor allem in den ersten zwei Lebensjahren. Die wichtigsten natürlichen Sterblichkeitsfaktoren sind Verletzungen durch Kämpfe mit rudelfremden Wölfen, Verkehrsunfälle und Verhungern (auf die internationale Wolfspolulation bezogen).

Ein Rudel besteht aus den Elterntieren, den Nachkommen des Vorjahres und den Welpen des aktuellen Jahres. Also aus etwa 11 Tieren. Laut DBBW, der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, gab es im Monitoringzeitraum 2018/2019 Deutschlandweit 58 Rudel, 2 Paare und 4 terretoriale Einzeltiere. In 58 der 64 Territorien wurde Reproduktion bestätigt, mit insgesamt 212 Welpen.

Von diesen 212 Welpen stirbt die Hälfte. Es entstehen also 53 Paare, die wiederum je ca. 6 Welpen zu Welt bringen…

FDP und AFD haben diesen Zusammenhang beide erkannt und in den Drucksachen 19/594 und 19/584 konsequenzen gefordert.

Die FDP fordert:

  1. einen Gesetzesentwurf vorzulegen, in dem der Wolf als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen wird;
  2. sich auf europäischer Ebene für die Aufnahme des Wolfes in Anhang V der FFHRichtlinie einzusetzen, damit der Wolf in die Verordnung über die Jagdzeiten entsprechend aufgenommen werden kann;
  3. einheitliche Standards für ein bundesweites Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring zu schaffen;
  4. zusätzliche finanzielle Mittel für die Schadensprävention und Wolfsgeschädigte bereitzustellen.

Die AFD fordert:

  1. Ein Projekt zur Neufestlegung des Status der in Deutschland lebenden Wölfe und Wolfsmischlinge zu initiieren. Es soll untersucht werden, ob die Tiere der Unterart Canis Lupus Lupus angehören oder anderen Unterarten bzw. Mischlingen, die keinen Schutzstatus haben;
  2. den Erhaltungszustand der Tierart Wolf darzulegen und eine Aktualisierung der Habitatanalyse für Deutschland vorzunehmen, wie es die Umweltministerkonferenz im November 2017 forderte;
  3. bis zur Feststellung einer eindeutigen Zuordnung zu der Unterart (bzw. Rasse)sollen Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren und Menschen ergriffen werden
    • Man denkt an konsequentere Umsetzung bestehender Gesetze, Schaffung zusätzlicher gesetzlicher Grundlagen im Naturschutz und im Jagdrecht und man möchte eine Obergrenze der Population festlegen, wie vom LCIE (Large Carnivore Initiative Europe) gefordert.
  4. zusätzlich sollen Ziele definiert werden, die die Rechtssicherheit im Umgang mit Wolfspopulationen regeln.

Beide Anträge wurden in der gestrigen Sitzung des Bundestages abgelehnt (Siehe Drucksache 19/3034).

Obwohl sich die Forderungen der beiden Anträge ähneln lehnt die AFD den Antrag der FDP und umgekehrt auch die FDP den Antrag der AFD ab. Die anderen Parteien sind sich bei der Ablehnung beider Anträge einig.

Der Wolf kommt also vorerst weiterhin nicht ins Jagdrecht.

Wildschweine von Feldern vergrämen

Versagt die Jägerschaft? Nimmt die Anzahl der Wildschweine überhand? Ist der Wildschaden nicht mehr zu stoppen?

Oder geht es, wie so oft, nur ums Geld und das möglicherweise zum Nachteil für uns alle?

Diese Fragen kamen mir in den Sinn, als ich den Artikel Wildschweine vertreiben: So geht’s mit der Feldspritze in der Agrarheute vom 19. Februar gelesen habe.

Die Firma Penergetic mit Sitz im schweizerischen Romanshorn hat ein Vergrämungsmittel mit dem Namen „Penergetic b Boden WV“ herausgebracht. Die Firma Penergetic vertreibt diverse Produkte für die Landwirtschaft, die alle auf Biostimulation beruhen. Das neue Produkt, das noch nicht auf der offiziellen Website beworben wird, ist ein Bodenhilfsstoff. Es besteht vor allem aus Bentonit und Sikron. Bentonit ist eine Mischung aus Tonmineralien die viel Wasser aufnehmen kann. Sikron ist ein Quarzmehl. Quarzmehle werden z. B. in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft eingesetzt. Penergetic b Boden WV ist, wie Agrarheute es beschreibt, mit dem elektromagnetischen Signal „Mensch“ programmiert. Am Feldrand ausgebracht, soll das Produkt so Wildschweine vertreiben. Zur Ausbringung wird das Pulver gelöst und mit einer Feldspritze versprüht. Mit einem Einsatz von € 20,– kann man einen ca. 600m langen Feldrand schützen.

Ich möchte keine Vermutungen anstellen warum die Wildscheinpopulation trotz immer weiter steigenden Streckenzahlen steigt. Vergrämen ist für Jäger nichts neues. Nun wissen wir aber auch, dass Vergrämen nur sehr beschränkte Zeit wirkt und sich vor allem die Schweine sehr schnell an neue Gerüche gewöhnen. Ist eine (Geruchs-) Barriere erst überwunden spricht sich das bei den Rotten herum. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es keinen ganzjährigen Schutz für das Maisfeld im Test gab.

Allerdings sehe ich noch ein ganz anderes Risiko. Wenn das neue Produkt auf größeren Flächen eingesetzt wird dann konditionieren wir die Wildschweine darauf, dass der Geruch „Mensch“ keine große Gefahr darstellt. In dem Moment ist nicht nur die Wirksamkeit des Mittels aufgehoben sondern auch die Scheu der Wildschweine sich Menschen zu nähern. Populationen, die an Rändern von Gemeinden und Städten leben würden dann mit noch weniger Scheu in die Gärten kommen um nach Nahrung zu suchen.

Punkt zwei auf der Contra-List ist: Wenn ein Landwirt großflächig vergrämt gehen die Schweine zum Nachbarn. Also muss auch der vergrämen (oder Wildschadenforderungen an die Jägerschaft stellen). Das ist natürlich im Sinn des Herstellers – aber es hilft nicht beim Erhalt eines gesunden Ökosystems. Neben den Schweinen werden mit Sicherheit auch andere, nützliche Tiere aus den Feldern fern gehalten. Das könnte zu noch mehr Einsatz von Chemie und Bodenhilfsstoffen führen.

Was im ersten Moment gut klingt muss also hinterfragt werden!

ASP und Wolf die Topthemen vereinigt?

Am vergangenen Freitag wurde auf der Website der „European Wilderness Society“ ein interessanter Artikel veröffentlicht der meiner Meinung nach Erwähnung verdient. Der Artikel „Wolfpacks Manage Disease Outbreaks“ also „Wolfsrudel steuern Krankheitsausbrüche“ geht dabei auf Daten aus der Slowakei ein, die belegen sollen dass der Wolf die Ausbreitung der klassischen Schweinepest eindämmen oder sogar stoppen kann.

Hier zunächst eine kurze Zusammenfassung und Übersetzung des Artikels:

Wölfe sind als faule Jäger bekannt. Daher wählen sie immer die einfachste Beute aus, d.h. junge, kranke oder alte Tiere. Diese Präferenz für die leichte Beute beeinflusst die Populationsdynamik und Altersstruktur des Wildes. Insbesondere beim Ausbruch von Krankheiten spielt der Wolf eine entscheidende Rolle, um die Anzahl der befallenen Tiere in Schach zu halten. Daten aus der Slowakei unterstreichen die wichtige Position des Wolfes als „Arzt der Wildnis“.

Der Artikel geht davon aus, dass die natürliche Auslese die ASP in Schach halten kann. Fakt ist, dass die ASP durch Körperflüssigkeiten der erkrankten Tiere weiter getragen wird und dass der Mensch mit kontaminierten Fahrzeugen, Kleidung sowie mit Jagd- und landwirtschaftlichen Geräten Hauptüberträger ist.

Wildschweine gehören zu den Haupt-Nahrungsquellen der Wölfe und ein geschwächtes Tier ist einfacher und risikoloser zu erlegen als ein gesundes und wehrhaftes Tier. Anhand von Grafiken werden Studien zur klassischen Schweinepest aus den 1990er und 2000er Jahren dargestellt aus denen hervorgeht, dass es in Wolfsgebieten 13 Mal weniger befallene Wildschweine gab (7% in Wolfsgebieten und 93% in den übrigen Gebieten).

Soweit zum Artikel.

Zwei Fragen müssen wir (Jäger) uns stellen:

  1. Sind die Erkenntnisse aus der Slowakei auf die ASP übertragbar?
  2. Hat der Wolf wirklich nur negative Presse verdient?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nennt auf seiner Internetseite eine Inkubationszeit von 2 bis 15 (typischerweise 4) Tagen für die ASP. Danach bricht die Krankheit aus und verläuft in 7 bis 10 Tagen fast immer tödlich. Die Symptome sind zunächst hohes Fieber und Abgeschlagenheit gefolgt von Husten, Atemnot, blutigem Durchfall, Erbrechen etc. Die Inkubationszeit und der Verlauf sind bei der ASP also eher etwas kürzer als bei der klassischen Schweinepest. Müde und abgeschlagen, also eine leichte Beute, sind die Tiere aber in beiden Fällen. Da nur Schweine infiziert werden können und diese sich frühzeitig absondern könnte es also durchaus sein, dass die selektive Jagd des Wolfes sich positiv auf die Ausbreitung der ASP auswirkt.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein und ich hoffe, dass es objektive, wissenschaftliche Studien zu diesem Thema geben wird, wenn die ASP erst einmal großflächig ausgebrochen ist.

Bis dahin sollten wir (Jäger) uns vielleicht etwas zurückhalten und Propaganda und Polemik in unseren Diskussionen nicht die Oberhand gewinnen lassen. Damit disqualifiziert man sich schnell. Nicht alles was man hört ist zwangsläufig immer wahr und sollte, ohne es zu hinterfragen, weitergetragen werden. Auch dann nicht, wenn es genau das ist was man gerne hören möchte.

Die Ausbreitung der ASP von Schwein zu Schwein hat nur bei zu hoher Wilddichte eine Chance. Eine zu hohe Wilddichte ist immer schädlich. Das gilt auch für den Wolf. Der reguliert seine Wilddichte allerdings selbst erheblich besser als wir die Wilddichte bei den Wildschweinen.

Für die ruhigen Tage der Weihnachtszeit noch etwas zum Nachdenken: Angenommen der Wolf wird als jagdbares Wild in das BJagdG aufgenommen. Wird das dann so formuliert, dass wir Jäger auch für den Wildschaden aufkommen müssen, den der Wolf verursacht?

Wilderei: Schon 7 Wölfe in Niedersachsen illegal getötet

In Niedersachsen sind seit dem Jahr 2000 schon sieben Wölfe illegal getötet worden. Davon drei in diesem Jahr (Stand: 15. Oktober 2018). Deutschlandweit beläuft sich die Anzahl getöteter Wölfe inzwischen auf 35. Diese Information geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Die an das Referat Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gerichtete Anfrage thematisiert die Wilderei in Deutschland und fragt unter anderem nach der Zahl der getöteten Wölfe.

Alle in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe werden am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf die Todesursache hin untersucht. Die „Hitliste“ der illegalen Wolfstötungen führt Brandenburg mit 12 toten Wölfen an. Gefolgt von Sachsen (mit 8) und Niedersachsen (mit 7) auf Platz 3.

Die Gesamtzahlen der Jagdwilderei (§ 292 StGB) ist seit 2007 zwar schwankend aber in etwa gleichbleibend. Die Zahl der Verurteilten Jagdwilderer hingegen ist leicht rückläufig. Die Zahl der damit verbundenen Freiheitsstrafen ist prozentual dahingegen leicht gestiegen. Auch die Zahl der größeren Geldstrafen (31 und mehr Tagessätze) ist gestiegen.

Die Anzahl der Wölfe in Niedersachsen nimmt weiter zu

Das Wildtiermanagement Niedersachsen dokumentiert auf seiner Internetseite zwei neue Wolfsrudel. Eines im Raum Meppen und das andere bei Gnarrenburg im Landkreis Emsland. Damit haben wir jetzt 21 bestätigte Territorien, die aus 16 bestätigten Rudeln, 4 Wolfspaaren und einem Einzelgänger bestehen.

Detailtiere Informationen inkl. einer Übersichtskarte sind auf Wolfsmonitoring.com zu finden.

Die Gesamtzahl der Tiere kann nur geschätzt werden. Je nach dem mit wem man spricht wird die Zahl zwischen „mehr als 100“ und „bis zu 180“ Wölfe angegeben.

Aktuelles aus dem Wolfsmonitoring

Hallo zusammen,

hier die neusten Erkenntnisse des Wolfsmonitoring.

Aus aktuellem Anlass möchte ich Euch darüber informieren, dass einige Nutztierhalter die Risse nicht melden. Die persönlichen Gründen dazu können unterschiedlich sein. Jedoch entgehen damit dem Wolfsmonitoring der LJN wichtige Daten über zuwandernde Einzelwölfe oder neue Rudel, so dass dann belastbare Zahlen fehlen.

Aus dem OVG-Urteil gegen den Landkreis Dannenberg lässt sich entnehmen, dass sich keine besonderen wolfabwehrenden Zäune behördlich anordnen lassen.

Viele Grüße und
Waidmannsheil

Klaus Richter
Hegering Neuhaus

Sehr geehrte Wolfsberaterinnen,
Sehr geehrte Wolfsberater,

Hiermit informiere ich sie über die neuesten Erkenntnisse aus dem niedersächsischen Wolfsmonitoring:

– Neues Wolfspaar im Raum Ebstorf (LK Uelzen)
– Neues Wolfspaar im Raum Amt Neuhaus (LK Lüneburg)
– Wolfsrudel aus Eschede ist auf den Schießplatz Rheinmetall umgezogen (LK Celle und LK Uelzen) und wird umbenannt in Eschede/Rheinmetall
– Die Gebiete Bremervörde (LK Rotenburg-Wümme) und Bad Bodenteich (LK Uelzen) stehen nicht mehr unter Beobachtung

Somit sind aktuell 19 Wolfsterritorien in Niedersachsen bekannt: 14 Wolfsrudel, 4 Wolfspaare und 1 residenter Einzelwolf.
Im Anhang finden Sie die aktuelle Verbreitungskarte für Niedersachsen. Diese dürfen Sie für Präsentationen und ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Eine Weitergabe, Vervielfältigung oder Manipulation bedarf meiner ausdrücklichen Genehmigung.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite www.wolfsmonitoring.com. Für weitere Fragen und Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Raoul Reding, MSc.
Wolfsbeauftragter


Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Schopenhauerstraße 21
30625 Hannover

Grenzüberschreitende Nachsuchen

Liebe Mitglieder,

mir wurde heute zugetragen, dass zwischen Frankreich und Deutschland ein Meilenstein in puncto Nachsuche genommen wurde. Der DJV berichtet in dem Artikel: Grenzüberschreitender Tierschutz, dass ein Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich zur grenzüberschreitenden Nachsuche geschlossen wurde. Dieses Abkommen ist das erste seiner Art, dass die Bundesrepublik mit einem Nachbarland schließt.

Wir sollten das zum Anlass nehmen in den Revieren untereinander noch viel enger zusammen zu arbeiten. Eine gute Nachbarschaft ist ein wertvolles Gut, dass schlussendlich auch dem Tierwohl und der Jagd zu Gute kommt.

Waidmannsheil wünscht
Florian Schäfer