Jagd und Kulturlandschaft: Zwischen Konflikt und unverzichtbarem Ehrenamt

Die Debatte: Zwei Welten, eine Landschaft

Kaum ein Thema spaltet die öffentliche Meinung so zuverlässig wie die Jagd. Auf der einen Seite stehen Tier- und Naturschutzorganisationen wie PETA, die argumentieren, die Natur reguliere sich selbst und die Jagd sei „unnötig und grausam“. Auf der anderen Seite stehen rund 467.682 Jägerinnen und Jäger in Deutschland (ein neuer Rekordwert) die täglich in Revieren arbeiten, deren Bedeutung für Ökologie, Landwirtschaft und Gesellschaft weit über das bloße Erlegen von Wild hinausgeht.

Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, sie liegt in der Realität unserer Kulturlandschaft. Wer diese Realität kennt, kommt zu einem eindeutigen Schluss.

Der Vorwurf und seine Grenzen

Jagdgegner bringen regelmäßig vor, intensive Bejagung führe paradoxerweise zur Überpopulation, weil sie Sozialstrukturen zerstöre und die Reproduktionsrate erhöhe. Zudem wird die Jagd als „Artenfeind Nummer 2″ bezeichnet – nach der industriellen Landwirtschaft. Diese Argumente verdienen eine ernsthafte Auseinandersetzung.

Was dabei jedoch systematisch ausgeblendet wird: Deutschland ist kein unberührtes Ökosystem. Es ist ein dicht besiedelter, intensiv bewirtschafteter Kulturraum. Natürliche Prädatoren wie Wolf, Luchs und Bär existieren nur in sehr kleinen, regional begrenzten Beständen. Gleichzeitig schafft die intensive Landwirtschaft mit Maisfeldern, Rapsanbau und kaum Brachen ideale Bedingungen für explosive Populationswachstümer – besonders beim Schwarzwild. Ohne aktives Wildtiermanagement entstünden keine „wilden, natürlichen Wälder“, sondern ein ökologisches und volkswirtschaftliches Schadensszenario.

Was passiert, wenn die Jäger aufhören?

Wildschadenexplosion in Wald und Feld

Schon heute, trotz aktiver Bejagung, verursachen Wildtiere erhebliche Schäden. Allein in Rheinland-Pfalz belaufen sich Wildschäden auf 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Waldbesitzer sehen sich mit Verbiss- und Schälschäden konfrontiert: Kosten für die Aufforstung einer Hektarfläche liegen bei rund 10.000 Euro, und Schälschäden können einen Fichtenbestand in einem einzigen Winter um Tausende von Euro entwerten. Der Wert des 2023/24 erlegten Wildes (ein indirekter Maßstab für die regulierte Wildmenge) lag allein bei rund 203,9 Millionen Euro, wobei Wildschweine mit 87,8 Millionen Euro den größten Anteil stellten.

Ohne gezielte Bestandsregulierung könnten Wildschweine ihren Bestand nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) allein durch natürliche Reproduktion jährlich vervierfachen. Die Folge wären massive Schäden in Feldern, Parks und Siedlungen sowie ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest mit möglichen Exportverboten für Schweinefleisch und Massentötungen in der Hausschweinezucht.

Explodierende Unfallzahlen im Straßenverkehr mit Wild

Die Wildunfallstatistik illustriert das Problem eindrücklich: 2024 registrierten deutsche Kfz-Versicherer über 276.000 Wildunfälle mit Schäden von mehr als 1,1 Milliarden Euro. Das entspricht rund drei Millionen Euro pro Tag. Die durchschnittliche Schadenshöhe stieg binnen eines Jahres von 3.850 auf 4.100 Euro. Und das bei aktiv gejagten Beständen. Eine unkontrollierte Bestandszunahme würde diese Zahlen dramatisch in die Höhe treiben.

Waldgefährdung im Klimawandel

Gerade im Kontext des Klimawandels ist jagdliche Wildbestandsregulierung unverzichtbar. Der deutsche Wald steht ohnehin unter extremem Druck: Allein zwischen 2018 und 2021 entstanden Waldschäden in Höhe von rund 15 Milliarden Euro durch Dürre, Sturm und Schädlinge. Eine unkontrollierte Überpopulation von Reh- und Rotwild würde die Verjüngung klimaresistenter Mischwälder erheblich erschweren oder unmöglich machen, da Verbissschäden an jungen Trieben die Aufforstung zunichtemachen. Forstwirtschaftler fordern für den Waldumbau eine Mindestförderung von einer Milliarde Euro jährlich. Ein Aufwand, der ohne jagdliche Regulierung um ein Vielfaches steigen würde.

Tierseuchen ohne Eindämmung

Beim Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest sind Jägerinnen und Jäger die ersten Ansprechpartner der Behörden: Sie reduzieren Bestände, melden erkrankte Tiere und beproben Kadaver – überwiegend ehrenamtlich und rund um die Uhr. Ein Wegfall dieser Struktur würde staatliche Veterinärbehörden und Seuchenbekämpfungsapparate an ihre absoluten Grenzen bringen.

ie unsichtbare Arbeit: Was Jäger wirklich tun

Laut einer repräsentativen DJV-Umfrage verbringen Jägerinnen und Jäger im Schnitt rund 41 Stunden pro Monat in der Natur. Davon 25 Stunden auf der Jagd und 16 Stunden für Revierarbeiten. Das entspricht einer vollen Arbeitswoche im Monat. Weniger als die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) weiß, dass Jagd ein Ehrenamt ist.

Zu den ehrenamtlichen Aufgaben zählen:

  • Kitz- und Wildtierrettung vor dem Mähtod durch Drohneneinsatz und manuelle Sucheaktionen
  • Biotoppflege und -vernetzung: Anlage von Blühstreifen, Hecken, Tümpeln, Wildäckern
  • Artenschutz: Regulierung invasiver Arten wie Waschbär und Marderhund zum Schutz von Rebhuhn, Feldhase und Feldhamster
  • Umweltbildung: Die Initiative „Lernort Natur“ bringt Kindern und Jugendlichen die heimische Natur seit Jahrzehnten nahe
  • Seuchenmonitoring: Meldung und Beprobung von erkrankten Wildtieren im Rahmen behördlicher Überwachungsprogramme
  • Wildunfallmanagement: Jäger sind rund um die Uhr erreichbar, um verletzte Wildtiere zu versorgen und Unfallbescheinigungen für Kraftfahrzeughalter auszustellen
  • Naturschutzrechtliche Mitwirkung: Als anerkannte Naturschutzsachverständige nehmen Jäger an Beiräten und Genehmigungsverfahren teil

Insgesamt investiert die Jägerschaft in Deutschland 2,9 Milliarden Euro jährlich aus eigener Tasche in ihre Tätigkeit. Davon eine halbe Milliarde Euro allein für Artenschutz, Biotoppflege sowie den Schutz von Wald und Feld.

Die volkswirtschaftliche Rechnung: Was staatliche Jagd kosten würde

Hier wird die Debatte konkret. Was würde es den deutschen Steuerzahler kosten, wenn der Staat die Aufgaben der Jägerschaft übernehmen müsste?

Grundlage der Berechnung

  • 467.682 Jägerinnen und Jäger (Stand: November 2025)
  • 41 Stunden pro Monat, entspricht 492 Stunden im Jahr pro Person
  • Gesamtvolumen: rund 224 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr
  • Lohnansatz: TVöD EG 9a Stufe 3 (qualifizierter Außendienst/Forstwirt): 3.986 Euro brutto/Monat; mit Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung (~25%) ergibt sich ein effektiver Arbeitgeberstundenlohn von ca. 29,50 Euro

Ergebnis

Szenario Stundensatz Jährliche Personalkosten
Konservativ (Minimalansatz) 18,00 €/h ca. 4,0 Mrd. €
Realistisch (TVöD EG 9a) 29,50 €/h ca. 6,6 Mrd. €

Hinzu kämen noch nicht eingerechnet:

  • Fahrzeuge, Ausrüstung, Munition, Waffen, Waffenlagerung (Beschaffung und Unterhalt)
  • Verwaltungskosten für eine neue Behörde oder Behördenstruktur (Revieraufseher, Jagdbehörden, Veterinäranteile)
  • Infrastruktur: Hochsitze, Reviereinrichtungen, Wildfütterungsanlagen (heute überwiegend privat finanziert)
  • Entfall der Pachteinnahmen für Grundstückseigentümer und Jagdgenossenschaften
  • Wegfall der 2,9 Milliarden Euro Eigeninvestitionen, die die Jägerschaft heute aus eigener Tasche trägt

Ein konservativer volkswirtschaftlicher Gesamtaufwand für staatlich organisiertes Wildtiermanagement auf dem heutigen Niveau würde damit deutlich über 7 bis 10 Milliarden Euro jährlich liegen – nur für die Personalseite und elementare Sachmittel.

Zum Vergleich: Der Gesamtetat des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz betrug zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro. Die Jägerschaft leistet also ehrenamtlich einen Beitrag, der mehrere Bundesministeriums-Etats übersteigen würde.

Warum Jagdgegner eine entscheidende Frage vermeiden

Die Diskussion über Jagd wird oft emotional geführt, selten jedoch im Kontext realer Alternativen. Keine seriöse Jagdgegnerposition liefert eine belastbare Antwort auf die Frage: Wer reguliert die Wildbestände – und wer bezahlt dafür?

Die Annahme, die Natur reguliere sich selbst, mag für unberührte Ökosysteme gelten. In Deutschland, wo 89 Prozent der Fläche bejagbares Land sind, wo Straßen Wildkorridore zerschneiden, Landwirtschaft Lebensräume fragmentiert und natürliche Prädatoren nahezu fehlen, ist dieser Ansatz keine Lösung. Er ist eine Illusion. Das bestätigt auch der Deutsche Jagdverband: Eine flächendeckende Wildbestandsregulierung ist in Deutschland strukturell nur mit der Jägerschaft möglich.

Das Hegering-Modell: Verantwortung vor Ort

Der Hegering Neuhaus (Elbe) steht für genau jene Praxis, die abstrakten Statistiken Leben einhaucht. Unsere Mitglieder kennen die Flächen, die Wildpopulationen, die lokale Flora und Fauna. Sie investieren nicht nur Zeit und Geld – sie übernehmen Verantwortung für das natürliche Erbe einer Region, die ohne diese ehrenamtliche Arbeit schnell in ein ökologisches und wirtschaftliches Ungleichgewicht geriete.

Wir sind überzeugte Anhänger eines waidgerechten, nachhaltigen und verantwortungsvollen Wildtiermanagements. Und wir sind offen für den Dialog, denn nur wer die ganze Wahrheit kennt, kann verantwortliche Entscheidungen treffen.


Quellen: Deutscher Jagdverband (DJV), Bundesministerium für Landwirtschaft (BMLEH), Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL-Statistik), Deutscher Forstwirtschaftsrat (DFWR), TVöD-Entgelttabellen 2025/2026.

Osterzeit im Revier – Frühling zwischen Elbe und Carrenziener Heide

Mit den ersten etwas wärmeren Tagen erwacht das Revier rund um Amt Neuhaus zu neuem Leben. Feldhase, Rehwild und Fasan zeigen sich jetzt wieder häufiger auf den Offenflächen, und die Elbtalaue werden bald in voller Blüte stehen. Für uns Jägerinnen und Jäger im östlichen Niedersachsen beginnt damit nicht nur die grüne Jahreszeit, sondern auch eine Phase besonderer Aufmerksamkeit – die Natur meldet sich zurück, und mit ihr steigen die Anforderungen an Rücksicht und Pflege im Revier.

Besonders deutlich wird dies beim Anblick der jungen Hasen: Die ersten Junghasen liegen bereits gut getarnt im Wiesenbestand. Das Osterfest erinnert uns jedes Jahr aufs Neue daran, dass der Hase nicht nur Symbol des Frühlings ist, sondern auch für die Verantwortung steht, die wir Jäger übernehmen – durch Feldpflege, Prädatorenbejagung und abgestimmte Bewirtschaftung.

Auch die Wasser- und Wiesenvögel der Region, vom Kiebitz bis zur Bekassine, profitieren von einem ruhigen Saisonbeginn. Die Brutzeit steht unmittelbar bevor, und der Schutz dieser empfindlichen Lebensräume gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die unser Hegering wahrnimmt. Jede Beobachtung zählt: Meldungen zu Vogelbruten und Wildwechsel helfen uns, durch die Jagd und Hege ein stabiles ökologisches Gleichgewicht zu fördern.

So verbinden sich in dieser Jahreszeit Naturgenuss, Verantwortung und Gemeinschaft. Ob bei der Revierarbeit, dem ersten Ansitz oder einfach bei einem Frühlingsspaziergang mit Fernglas – das Erwachen der Natur erinnert uns daran, warum wir diese Landschaft lieben und schützen.

Der Hegering Neuhaus wünscht allen Mitgliedern, Freunden und Unterstützern ein frohes, gesegnetes Osterfest, kräftige Gesundheit und Waidmannsheil für das kommende Frühjahr.

Brut- und Setzzeit beginnt – Rücksicht schützt den Nachwuchs

Mit dem Frühling beginnt in unseren Revieren die Brut- und Setzzeit – die empfindlichste Phase im Jahreslauf von Reh, Hase, Fasan und vielen anderen Wildarten. Jetzt bringen zahlreiche Tiere ihren Nachwuchs zur Welt oder brüten in Bodennähe. Jede unnötige Störung kann zur Aufgabe von Gelegen oder zum Tod der Jungtiere führen.

Hunde bitte anleinen
Ab März gilt: Hunde gehören beim Spaziergang im Revier an die Leine. Auch gut erzogene Tiere folgen manchmal ihrem Jagdinstinkt. Schon das Aufstöbern oder Hetzen kann Wildtiere erheblich stressen oder Jungtiere gefährden.

Vorsicht bei Jungtieren
Wer ein Rehkitz, einen Junghasen oder einen vermeintlich verlassenen Vogel findet, sollte Abstand halten. Jungtiere sind selten wirklich verlassen – die Mutter kehrt meist zurück, sobald Ruhe herrscht. Menschengeruch kann dagegen dazu führen, dass das Tier nicht mehr angenommen wird. Nur verletzte Tiere dürfen ausnahmsweise einem Tierarzt oder einer anerkannten Wildtierstation gemeldet werden.

Rücksicht sichert Artenvielfalt
Achtsames Verhalten in dieser Zeit schützt nicht nur das einzelne Tier, sondern dient dem Erhalt stabiler, gesunder Wildbestände. Wer Wege einhält, Hunde anleint und Wildtiere ungestört lässt, hilft mit, unsere heimische Natur zu bewahren.

Wenn der Schuss daneben geht: Ein Vorfall mit weitreichenden Konsequenzen

Ein Schreckmoment auf der B104

Am Mittwochabend ereignete sich in unserem Nachbarlandkreis Ludwigslust-Parchim ein Vorfall, der exemplarisch die Verantwortung aufzeigt, die jeder Waffenbesitzer trägt. Ein 19-jähriger Fahrschüler und sein 61-jähriger Fahrlehrer waren auf der B104 zwischen Cambs und Brahlstorf (am Cambser See nordöslich von Schwerin) unterwegs, als sie plötzlich einen lauten Knall hörten. Bei der anschließenden Kontrolle des Fahrzeugs entdeckten sie ein Einschussloch in der rechten hinteren Tür – verursacht durch das Geschoss eines Jägers, der auf ein Stück Rehwild geschossen hatte.

Glücklicherweise blieb es bei Sachschaden: Das Geschoss drang nicht in das Fahrzeuginnere ein, beide Insassen blieben unverletzt. Die Polizei ermittelt nun gegen den Jäger wegen fahrlässigen, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Die fundamentale Verantwortung jedes Waffenbesitzers

Ich kann nicht genug betonen: Mit dem Besitz einer Schusswaffe übernimmt jeder Inhaber eine immense Verantwortung. Diese Verantwortung beginnt bereits bei der ordnungsgemäßen Aufbewahrung und endet keineswegs mit dem Abfeuern des Schusses.

Das deutsche Waffengesetz ist nicht umsonst eines der strengsten weltweit. Es basiert auf dem Grundprinzip, dass der Besitz von Waffen ein Privileg und kein Recht darstellt. Jeder, der eine waffenrechtliche Erlaubnis erhält, muss seine persönliche Zuverlässigkeit und Sachkunde nachweisen. Diese Anforderungen sind nicht nur formale Hürden, sondern essenziell für die öffentliche Sicherheit.

Hinterlandgefährdung: Die unsichtbare Gefahr

Der Vorfall bei Cambs verdeutlicht eindrucksvoll ein fundamentales Problem beim Schießen: die Hinterlandgefährdung. Jeder Schuss bringt potenzielle Risiken mit sich, die weit über das eigentliche Ziel hinausreichen. Der Gefahrenbereich eines Büchsengeschosses liegt bei 4.000 und mehr Metern!

Die Physik des Schusses

Ein Jagdgeschoss behält auch nach dem Auftreffen auf das Ziel oder nach einem Fehlschuss erhebliche Energie. Die initiale Geschossgeschwindigkeiten liegen je nach Kaliber zwischen 800 und über 1.000 Metern pro Sekunde. Selbst nach 200 Metern (wie in diesem Fall) besitzt das Projektil noch genügend Energie, um Sachschäden zu verursachen oder Menschen zu verletzen bzw. zu töten.

Besonders problematisch sind:

  • Abpraller von harten Oberflächen: Gefrorener Boden, Steine oder Baumstämme können Geschosse unvorhersehbar umlenken
  • Geschosssplitter: Beim Auftreffen entstehen oft Fragmente, die einen weiten Gefahrenbereich schaffen
  • Querschläger: Geschosse, die ihr Ziel verfehlen oder nur streifen, behalten ihre gefährliche Energie

Faktoren, die das Risiko erhöhen

Die Hinterlandgefährdung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, die jeder verantwortungsbewusste Schütze kennen und berücksichtigen muss:

Witterungsbedingungen: Wind kann Geschosse erheblich ablenken, besonders auf größere Distanzen. Seitenwind ist dabei der „natürliche Gegner eines jeden Schützen“. Harter oder gefrorener Boden erhöht das Risiko von Querschlägern dramatisch.

Schussposition und -winkel: Auch ein Schuss vom vermeintlich sicheren Hochsitz erfordert besondere Vorsicht bezüglich der Geschossbahn nach dem Ziel. Jeder Schütze muss die gesamte Flugbahn des Geschosses bis zu seinem endgültigen Aufschlag mental durchspielen.

Kaliberwahl und Geschosstyp: Verschiedene Kaliber und Geschosstypen zeigen unterschiedliche Verhalten bei Aufschlag und Abprall. Ein erfahrener Jäger muss diese Eigenschaften seiner Munition genau kennen.

Hinterlandüberwachung: Pflicht zur Vorsicht

Die Hinterlandüberwachung ist keine theoretische Überlegung, sondern eine praktische Verpflichtung jedes Schützen. Sie umfasst mehrere Aspekte:

Sichtprüfung des Schussfeldes

Vor jedem Schuss muss der Schütze das gesamte Schussfeld visuell erfassen. Dies bedeutet nicht nur die Kontrolle des unmittelbaren Zielbereichs, sondern die Einschätzung der gesamten möglichen Geschossbahn. Bei dem Vorfall in Mecklenburg-Vorpommern hätte eine ordnungsgemäße Kontrolle des Schussfeldes den Schuss auf das Auto verhindert.

Einschätzung der Reichweite

Jeder Schütze muss die maximale Reichweite seiner Munition kennen. Moderne Jagdkaliber können Reichweiten von mehreren Kilometern erreichen. Die oft gehörte Aussage „ich kann ja die Straße sehen“ reicht nicht aus. Auch nicht sichtbare Bereiche müssen in die Risikobetrachtung einbezogen werden.

Sichere Schussrichtungen

In dicht besiedelten Gebieten wie Deutschland gibt es praktisch keine vollständig „sicheren“ Schussrichtungen. Jeder Schuss erfordert eine individuelle Risikoabwägung. Besonders kritisch sind Schüsse in Richtung von:

  • Verkehrswegen aller Art
  • Wohngebieten und Einzelgehöften
  • Wanderwegen und Erholungsgebieten
  • Gewässern mit möglichem Bootsverkehr

Verantwortung in der Praxis

Die Verantwortung des Waffenbesitzers manifestiert sich in konkreten Handlungen:

Kontinuierliche Weiterbildung

Sachkunde ist kein einmaliger Erwerb, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Moderne Ballistik, veränderte Jagdmethoden und neue rechtliche Bestimmungen erfordern ständiges Lernen. Als jemand, der selbst Langstreckenschießen praktiziert und lehrt, kann ich bestätigen: Jeder Schuss ist eine Lernerfahrung.

Regelmäßige Überprüfung der Ausrüstung

Eine präzise Waffe ist eine sichere Waffe. Regelmäßige Einschießkontrollen, Wartung der Optik und Überprüfung der Munition gehören zur Grundausstattung verantwortlichen Waffenbesitzes.

Selbstkritische Reflektion

Jeder Schütze muss ehrlich seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen einschätzen. Faktoren wie Müdigkeit, Alkoholkonsum, Stress oder gesundheitliche Einschränkungen können die Schussleistung beeinträchtigen und sollten zu einem Schussverzicht führen.

Die gesellschaftliche Dimension

Vorfälle wie der in Mecklenburg-Vorpommern haben weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen. Sie nähren Diskussionen über Verschärfungen des Waffenrechts und können das Vertrauen der Öffentlichkeit in verantwortlichen Waffenbesitz erschüttern.  Das Vertrauen wird durch jeden einzelnen verantwortungslosen Schuss gefährdet.

 Jeder Waffenbesitzer ist Teil der Lösung: Durch vorbildliches Verhalten, kontinuierliche Weiterbildung und die Bereitschaft, andere Schützen auf Fehlverhalten hinzuweisen, tragen wir alle zur öffentlichen Sicherheit bei.

Fazit: Es gibt keine Entschuldigung für Leichtsinn

Der Vorfall bei Cambs hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Dass niemand verletzt wurde, ist dem Glück geschuldet und nicht verantwortlichem Handeln. Ein 200 Meter entferntes Fahrzeug auf einer Bundesstraße liegt eindeutig im Gefahrenbereich eines Jagdschusses.

Waffenbesitz bedeutet Verantwortung – jeden Tag, bei jedem Schuss, ohne Ausnahme. Diese Verantwortung endet nicht bei der bestandenen Jägerprüfung oder dem Erhalt der Waffenbesitzkarte. Sie ist eine lebenslange Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, die uns das Privileg des Waffenbesitzes gewährt.

Wir sollten diesen Vorfall als Appell an alle Waffenbesitzer sehen: Machen Sie sich jeden Tag aufs Neue bewusst, welche Verantwortung Sie tragen. Die öffentliche Akzeptanz unseres Sports und unserer Jagdtradition hängt von jedem einzelnen von uns ab.

Der junge Jäger aus Mecklenburg-Vorpommern hat eine schmerzhafte, aber wichtige Lektion gelernt. Sorgen wir dafür, dass andere nicht erst aus solchen Fehlern lernen müssen.

Einladung zum jagdlichen Trainingsschießen

Liebe Mitglieder des Hegerings,am 18. Januar 2024 von 12 bis 14 Uhr haben wir die Möglichkeit, uns auf dem Schießstand in Hohenhorn zu treffen, um an einem jagdlichen Trainingsschießen teilzunehmen. Dies ist eine großartige Gelegenheit, unsere Schießfertigkeiten zu verbessern und sicherer im Umgang mit der Waffe zu werden.

Wir werden auf der 300m Bahn schießen und haben die Option, Ziele in Entfernungen von 100, 200 und 300 Metern anzuvisieren. Auch wenn die jagdliche Praxis normalerweise keine so weiten Distanzen erfordert, ist es dennoch von Vorteil, die Fähigkeit zu besitzen, auf diese Entfernungen zu schießen. Denn wer die 300m Distanz beherrscht, wird auch auf kürzere jagdliche Distanzen ein Meister sein.

Interessierte Mitglieder, die an diesem Trainingsschießen teilnehmen möchten, werden gebeten, sich an den Schieß-Obmann zu wenden, um sich anzumelden und weitere Details zu erfahren.

Lasst uns gemeinsam an unserer Schießfertigkeit arbeiten und uns auf ein lehrreiches und spannendes Trainingsschießen freuen!

Ostbaumschnittaktion 2023

Die von uns gepflanzten Obstbäume und angelegten Streuobstwiesen benötigen der kontinuierlichen Pflege und einen regelmäßigen Schnitt

Zum Erlernen und zur Auffrischung der Kenntnisse des Schnittes von Obstbäumen findet am Donnerstag, den 3. März im Forsthaus in Bardowick eine Informationsveranstaltung statt.

Am 5.3. soll dann das erworbene Wissen in die Praxis umgesetzt werden.

Bitte meldet euch für den Workshop hier an: naturschutz@jaegerschaft-lueneburg.de

Müllsammeln für die Natur 2023

An dieser Stelle möchten wir noch einmal den Kinder, Jugendlichen und allen anderen Naturfreunde danken, die die vergangene Aktion in 2022 mit unterstützt und uns geholfen haben den Wald und die Felder sauber zu bekommen. DANKE !!!

 

Müllsammeln für die Natur geht auch 2023 wieder in die nächste Runde:

Am Samstag, den 25.2.2022, zwischen 10:00 und 12:00 Uhr können Abfälle,
die in der Natur gesammelt wurden, kostenfrei auf der Zentral-Deponie der
GFA in Adendorf angeliefert werden. Kleinstmengen bis zu zwei Säcke
können auch direkt auf dem Recyclinghof Zeetze entsorgt werden.

Jede Anlieferung muss bis Donnerstagabend, den 23.2.2022 bei Herrn Jilg
von der GFA telefonisch unter (04131) 9232-48 oder per E-Mail an jilg@gfalueneburg.de mit der Art und der Menge der Abfälle angemeldet werden.

Die Abfälle müssen, soweit dieses möglich ist, vorsortiert werden, sodass
eine möglichst geringe Menge an Restmüll anfällt. Eine Begrenzung der
Menge besteht nicht.

Die Entsorgung von Abfällen in der Natur ist kein Kavaliersdelikt. Daher
sollten besondere Vorgänge bei der Polizei oder den Behörden zur Anzeige
gebracht worden sein. Entsprechende Kopien der Dokumente zur Anzeige
bitte, soweit vorhanden, bei der Anlieferung mit abgeben.

Bitte organisieren Sie Sammeltransporte zur Deponie.

Sollten Sie noch Hilfe benötigen, wenden Sie sich bis Freitag, den 17.2. an
unsere AG Junge Jäger. Die AG wird versuchen, Sie zu unterstützen: agjj@jaegerschaft-lueneburg.de

Außerdem bitte ich Sie um Fotos und kurze Berichte an

naturschutz@jaegerschaft-lueneburg.de

Waidmannsheil und die Natur sagt Danke,
Gerhard Hartz (vom LJV Niedersachsen)

Abschussplan Hochwild gem. § 21 Abs. 2 BJagdG und § 25 NJagdG ab 2023

Liebe Waidgenossen,

ab sofort liegen die neuen Vordrucke „Abschussplan Hochwild“ sowie  „Abschussplan Rehwild“  für die Jagdausübungsberechtigten der Reviere in der behördlichen Cloud des Landkreises Lüneburg zum Download bereit.

Über folgenden Link gelangt ihr direkt zum Downloadbereich: https://cloud.lklg.net/index.php/s/ncJiPYgaRf7mnDn

Bitte nutzt ausschließlich diese Vordrucke. Die Abschusspläne sind bis zum 15. Februar 2023 beim Hegeringleiter einzureichen.

Um den rechtlichen Anforderungen zu genügen ist es auch für die Mitglieder des Rotwildringes erforderlich den amtlichen Abschussplan für Hochwild auszufüllen und einzureichen. Sonst ist kein Abschuss möglich.

Wollen Sie eine Zukunft für die Jagd?

Der Europäische Jagdverband FACE macht sich Sorgen um die Jagd in Europa und ruft deshalb unter dem Titel „Wollen Sie eine Zukunft für die Jagd?“ eine Petition ins Leben.

Da mittlerweile rund 80% des Reglements im Jagd- und Waffenwesen aus Brüssel kommen gewinnt der Verband immer mehr an Bedeutung und engagiert sich vorbildlich. Die FACE schreibt auf ihrer Website: „Einige politische Entscheidungsträger haben sogar vorgeschlagen, die Jagd (und den Fischfang) auf 10 % der EU-Fläche einzustellen.“ Das zeigt, wie wichtig es ist jetzt aktiv zu werden.

Nähere Informationen und die Möglichkeit die Petition zu zeichnen finden Sie hier:  https://signforhunting.com/de/

Niedersächsische Jagdzeiten werden angepasst

Das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz informiert, dass die Jagdzeiten werden angepasst werden:

Die Verordnung zur Durchführung des Niedersächsischen Jagdgesetzes wurde angepasst. Das Landwirtschaftsministerium teilte mit, dass durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Ostdeutschland nicht nur alle Jagdmethoden sondern auch neue Hilfsmittel zur Reduzierung der Schwarzwildbestände zur Anwendung kommen müssen. Da auch weniger Schalenwilddrückjagden wegen der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie stattgefunden haben, wird nun auch die Nachtzieltechnik für eine intensive Schwarzwildbejagung freigegeben.

Die klimaangepasste Wiederbewaldung und der Waldumbau erfordern eine Regulierung der Schalenwildbestände auf ein tragfähiges Niveau. Mit Beginn der Jagdzeit am 1. April können bereits einjähriges Reh-, Rot- und Damwild sowie ältere Rehböcke vor Beginn der Vegetationszeit bejagt werden.

Die Jagdzeiten auf Wasserfederwildarten sind auf Grund ihres guten Erhaltungszustandes angepasst worden.

Die Bestände der Nonnengans sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen, so dass die hier brütende Population Jagdzeiten erhalten hat und der ziehende Teil der Population zur Abwendung erheblicher Schäden an Kulturen unter streng überwachten Bedingungen außerhalb der Vogelschutzgebiete erlegt werden dürfen.

Eine Übersicht der aktuellen Jagdzeiten in Niedersachsen finden Sie hier: Gesetze und andere Bestimmungen rund um das Thema Jagd und Jäger